Fairness gegenüber Medizinstudierenden

Landesvorsitzender der Jungen Ökologen NRW kritisiert Gesetzesentwurf des Gesundheitsministeriums, der Medizinstudierende vor „Hammerexamen“ stellt und sie für ihren Einsatz „bestraft“

 

 

(Köln) - Am Montag, den 23. März, hat das Bundeskabinett beschlossen im Schnellverfahren das „Gesetze zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ zu verabschieden. Dieser Beschluss stößt neben Verständnis angesichts der prekären Lage in den Krankenhäusern auf Verständnis, aber auch auf scharfe Kritik seitens der Medizinstudierenden.

Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (BVMD) mahnt eindringlich, dass massiv in die Rechte vieler Menschen eingegriffen würde. Denn viele „Medizinstudierende kritisieren, dass wir durch die Verordnungs­ermächtigung zur Verfügungsmasse des Bundesministers der Gesundheit gemacht werden, ohne dass dies der Kontrolle durch eine weitere staatliche Instanz unterliegt“, so der BVMD. „Die Kritik seitens des BVMD ist absolut berechtigt. Den rund 4600 Medizinstudierenden, von denen sich glücklicherweise schon viele in den Kliniken haben einsetzen lassen, um den Corona-PatientInnen zu helfen, wird womöglich mit einem Hammerexamen gedankt,“ so äußert sich der Landesvorsitzende der Jungen Ökologen NRW, Tobias Kretschmer.

Es ist üblich, dass die Medizinstudierenden 100 Tage vor ihrem schriftlichen Staatsexamen (M2) enorm viel Zeit mit Lernen verbringen und teilweise nebenbei noch für den Lebensunterhalt arbeiten gehen müssen. Nun könnte aufgrund des Gesetzesentwurfs, nach dem Vorschlag aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG), dieses M2 verschoben werden, so dass die jungen MedizinerInnen in ihr Praktisches Jahr (PJ) und somit in den Klinikalltag starten. So stünden sie den Kliniken im Kampf gegen die Corona-Pandemie zur Verfügung. Jedoch fiele dann für diejenigen, die nun bereits seit 100 Tagen eifrig gelernt haben, nicht nur ein Monat Urlaub weg, sondern sie würden auch unentgeltlich in den Vollzeit-Arbeitsalltag an Kliniken geworfen. Krankheitstage und Tage in Corona-Quarantäne würden ihnen vom 30-Tage Jahresurlaub abgezogen und das eigentlich fundamentale Recht auf ein Wahltertial im PJ, welches für den späteren Berufsweg der Ärzte absolut entscheidend sein kann, würde ebenso gestrichen werden können. Zu allem Überfluss kommt hinzu, dass nach dem PJ das M2 sowie das dritte Staatsexamen anstünden und zwar mit dann erheblich verkürzter Lern- und Vorbereitungszeit; statt 100 Tage Vorbereitung „bestenfalls 42 Tage“. Und das ohne Stoffkürzung, nach einem Jahr hartem Klinikalltag ohne den eigentlich gesetzlich verdienten Urlaub.

„Diese Situation kommt einer Bestrafung gleich, die absolut inakzeptabel ist. Seit Wochen applaudieren wir den Menschen im Gesundheitswesen für ihre wirklich bedeutsame Arbeit in der Corona-Krise. Viele hundert, wenn nicht tausend Medizinstudierende gehören dazu. Sie haben es verdient, dass nach der Krise ein anderes, stark angepasstes oder bestenfalls gestrichenes M2 auf sie zukommt. Das fordern bereits sehr viele der Studierenden und dieser Forderung schließe ich mich an“ verkündet der JÖ Landesvorsitzende aus NRW, Tobias Kretschmer.

Auch eine Studienzeit-Verlängerung sei nicht akzeptabel, da diese zu Verdienstausfällen und einem noch späteren Einstieg in den Beruf führen würde. „Wir haben die enorme Schwierigkeit des Ärztemangels vor der Brust, noch größere Hürden für den medizinischen Nachwuchs können wir uns nicht leisten“, so Tobias Kretschmer weiter. Bereits seit langem fordern Studierende eine angemessene Bezahlung während des PJ und eine nun zusätzliche Verschärfung der Arbeitsbedingungen durch den Gesetzestext des BMG muss ein angemessener Ausgleich folgen.

Aus den Kreisen der Medizinstudierenden ist großes Engagement für die PatientInnen und Mitmenschen in der aktuellen Krise gezeigt worden. Es wäre nur fair, wenn die Verantwortlichen dies nach der Corona-Pandemie entsprechend berücksichtigen und den Einsatz des Ärzte-Nachwuchs nicht mit unmenschliche Aufgaben honoriert. Am Ende geht es auch darum, gemeinsam mit allen Beteiligten (auch Studierendenvertretung!) aus Fakultäten und dem BMG einen Austausch herzustellen, um sinvolle Alternativen auszuarbeiten.

 

(Quellen: aerzteblatt.de/nachrichten/111306/Medizinstudierende-und-Fakultaeten-reagieren-mit-Verstaendnis-und-Sorge-auf-geplante-Neuregelungen; persönliche Kommunikation; Bildquelle: BVMD)

 

(Pressemitteilung der Jungen Ökologen vom 26.3.2020]


Die ÖDP Köln verwendet Cookies, um diese Website Ihren Bedürfnissen anzupassen. Zu den Cookie-Nutzungsbestimmungen