Hambi-Aktivist im Interview

Martin, ÖDP-Mitglied und Aktivist im Hambacher Forst, über seine Erfahrungen vor Ort

Der Hambacher Forst soll für den Braunkohleabbau gerodet werden, die ÖDP setzt sich seit Jahren dafür ein, den Braunkohleabbau zu stoppen und fordert den längst überfälligen Umstieg auf erneuerbare Energien. Martin Eickhoff, 36 Jahre alt und ÖDP-Mitglied, war als Aktivist über zwei Wochen vor Ort.

Was schätzt du an der ÖDP?
Ich finde es schön, dass sich die ÖDP schon seit ihrer Gründung konsequent für die Trennung von Politik und Wirtschaft einsetzt und auch keine faule Kompromisse eingeht, wie beispielsweise die Grünen, die erst für die Rodung des Hambacher Forstes stimmen und hinterher "auf einmal dagegen sind". Ebenso schätze ich die wertvolle Arbeit, die der EU-Abgeordnete Prof. Dr. Klaus Buchner leistet, indem er unbequeme Wahrheiten anspricht und Themen in Brüssel, sei es Freihandelsabkommen oder auch Massentierhaltung, voranbringt.

Wieso setzt du dich als Aktivist im Hambacher Forst ein?
Ich finde es wunderbar, was für ein toller Schatz unser Planet ist, welche Vielfalt an Menschen, Tieren und Pflanzen auf der Erde leben. Gerade im Hambacher Forst gibt es nicht nur viele schöne Bäume und Pflanzen, auch Tiere, die vom Aussterben bedroht sind.

Du warst zwei Wochen als Aktivist vor Ort. Was ist dein persönliches Fazit des Einsatzes?
Auf jeden Fall hat es sich gelohnt "Flagge zu zeigen". Manchmal können auch kleine Aktionen große Wirkung erfüllen, wenn ich zum Beispiel an die Besetzung von Genfeldern in Deutschland denke. Heute redet kaum noch jemand von Gentechnik auf Feldern in Deutschland.

Wie viele Menschen waren mit dir im Hambacher Wald?
Ich schätze knapp 100, allerdings schwankte das von Tag zu Tag, so dass es schwierig ist hier eine genaue Zahl zu nennen.

Wie sah der Tagesablauf vor Ort aus?
Jeder Tag war komplett unterschiedlich, geprägt durch viele intensive politische Gespräche, aber auch gemeinsames Yoga oder Spiele gehörten genauso zum Hambi-Alltag wie der Barrikadenbau, Seminare, gemeinsames Musizieren und Tanzen.

Wie viele Polizisten bzw. Sicherheitskräfte waren stets in eurer Nähe und wie präsent waren diese?
Diese tauchten sporadisch auf, verhielten sich taktlos als sie beispielsweise eine Reiterstaffel schicken, während wir um den Menschen trauerten, der tödlich verunglückt ist. Mein Eindruck herrschte, dass Vielen gar nicht gesagt wurde, um was es hier eigentlich geht und Ihnen Schreckensszenarien angekündigt worden, die absolut irreal sind. Ich habe keine Menschen erlebt, die sinnlos auf irgendwelche Polizeiangestellten losgegangen sind oder irgendwelche Straftaten begangen hätten.

Hast du dich zu irgendeinem Zeitpunkt bedroht, bedrängt oder gefährdet gefühlt (sowohl von Aktivisten als auch Polizisten)?
Von Aktivisten fühlte ich mich nicht bedroht, sondern erlebte durchweg ein großartiges Gemeinschaftsgefühl, gegenseitige Unterstützung und Teilen sowie Einbindung jedes Menschen. Jeder wurde akzeptiert wie er ist, mit Eigenheiten und Macken ohne Mobbing und Ausgrenzung.

Auch ein schönes Interesse aneinander, egal ob der Mensch eher bürgerlich oder eher links ist. Die Polizei hingegen versuchte immer sich als Autorität aufzuspielen, mit Äußerungen oder plötzlichem Auftauchen um die Personalien zu kontrollieren. So konnte es sein, dass man an einem Tag vielleicht 10 Mal kontrolliert und durchsucht wurde.

Du hattest im Gespräch im Vorfeld erwähnt, dass es schwierig war, vor Ort erholsamen Schlaf zu bekommen. Warum? Teilweise wurde probiert uns nachts mit Scheinwerfern oder auch akustischen Geräuschen einfach wach zu halten und mürbe zu machen.

Wie war es vor Ort mit der Verpflegung?
Viele Menschen brachten Lebensmittel mit. Es gab aber auch Menschen aus den umliegenden Orten, die Lebensmittel spendeten, diese am Infopunkt abgaben und die dann verteilt worden sind. Jedenfalls bin ich jeden Tag satt geworden. Klar, keine Lebensmittel im Überfluss, aber ich habe niemals erlebt, dass Menschen über Hunger geklagt haben.

Hast du das Gefühl, dein Einsatz hat sich gelohnt und würdest du es nochmal machen?
Auf jeden Fall, denn ich will aktiver Sand im Getriebe sein und denke, dass sich viele Sachen durch zivilen Ungehorsam verhindern lassen. Jedoch ist der Hambacher Forst nicht die einzige Baumbesetzung in Deutschland. Auch in Trebur (Hessen) gibt es eine Baumbesetzung wegen dem Ausbau des Frankfurter Flughafens. Dies wäre auch ein Thema für die ÖDP-Mitglieder in Hessen. Was ich mir wünschen würde: Dass mehr Menschen einfach aktiv werden, für den Schutz unseres Planeten - egal ob sie Bäume besetzen, sich anketten, Flyer verteilen, Veranstaltungen besuchen oder sich in Parlamenten einsetzen. Alle Mittel sind gut und wertvoll!



Interview: Jessica Kratz, Landesgeschäftsführerin ÖDP NRW


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